Glaubens- und Kirchenverfolgung

Glaubens- und Kirchenverfolgung in der UdSSR

Anläss­lich der Kon­sti­tu­ie­ren­den Sit­zung der Arbeits­stel­le Ver­­­trie­be­­nen- und Aus­sied­ler­seel­sor­ge der Deut­schen Bischofs­kon­fe­renz am 19. April 2012 in Frankfurt/Main nahm die Lands­mann­schaft Stel­lung zur Ver­fol­gung des Glau­bens und der Kir­chen in der ehe­ma­li­gen UdSSR: 

Für die Lands­mann­schaft der Deut­schen aus Russ­land, die 1950 von Ver­tre­tern der evan­ge­­lisch-luthe­­ri­­schen, katho­li­schen, men­no­ni­ti­schen und bap­tis­ti­schen Kir­che gegrün­det wur­de, waren der christ­li­che Glau­be und die Zusam­men­ar­beit mit den Kir­chen von Anfang an Stütz­pfei­ler ihres Wirkens. 

Der christ­li­che Glau­be gibt unse­rer Arbeit Ziel und Per­spektive, und ohne die Wert­schät­zung des christ­li­chen Glau­bens wären wir der reli­giö­sen Prä­gung gro­ßer Tei­le unse­rer Lands­leu­te nicht gerecht gewor­den, für die Reli­gi­on und Kir­che im Mit­tel­punkt ihres Lebens stehen. 

Mit der zen­tra­len Wert­schät­zung des christ­li­chen Glau­bens haben wir aber auch einer his­to­ri­schen Ver­ant­wor­tung gerecht zu wer­den: Wir dür­fen näm­lich nie­mals ver­ges­sen, dass die reli­giö­sen Gemein­schaf­ten in der Sow­jetunion Sta­lins sys­te­ma­tisch ver­nich­tet wur­den, um die kom­mu­nis­ti­sche Welt­an­schau­ung als ein­zi­ge zuzu­las­sen und sie mit allen staat­li­chen Mit­teln zu fördern. 

Zum Aus­maß der Kir­chen­ver­fol­gung in der UdSSR führt der His­to­ri­ker Dr. Alfred Eis­feld in einer Stel­lung­nah­me für den Stif­tungs­rat der Stif­tung „Flucht, Ver­trei­bung, Ver­söh­nung” aus: 

Geist­li­che („Kult­die­ner”) wur­den bereits 1930 der Schicht der grund­be­sit­zen­den Bau­ern (Kula­ken) in Bezug auf Besteue­rung und Ent­zug des Wahl­rechts zugerechnet. 

Die Bekämp­fung der Kir­chen und Reli­gio­nen wur­de ab Som­mer 1937 ver­stärkt im Rah­men des Befehls des NKWD Nr. 00447 „Über Ope­ra­tio­nen zwecks Repres­sie­rung ehe­ma­li­ger Kula­ken, Kri­mi­nel­ler und ande­rer anti­so­wje­ti­scher Ele­men­te” und der so genann­ten natio­na­len Lini­en geführt. Ab Juli 1937 wur­den Geist­li­che aller Reli­gio­nen sys­te­ma­tisch ver­haf­tet, über­wie­gend zum Tode oder zu lang­jäh­ri­gen Stra­fen mit Ein­wei­sung in Arbeits­la­ger verurteilt. 

In den Jah­ren 1937 bis 1938 wur­den ca. 200.000 Geist­li­che und Lai­en repres­siert und cir­ca 100.000 hingerichtet. 

Die Rus­­sisch-Ortho­do­­xe Kir­che hat 1918–1938 250 Metro­po­li­ten, Erz­bi­schö­fe und Bischö­fe ver­lo­ren, davon 50 allein 1937. 

Die Römisch-Katho­­li­­sche Kir­che in der UdSSR hat in den Jah­ren 1918–1939 601 Pries­ter ver­schie­de­ner Volks­zu­ge­hö­rig­keit ver­lo­ren. Von ihnen kamen 187 ums Leben, das Schick­sal von 168 Pries­tern, die in Gefäng­nis­se und Lager ein­ge­wie­sen wur­den, ist bis­lang nicht geklärt; 92 blie­ben nach der Abbü­ßung der Stra­fen am Leben und in der UdSSR; 154 haben nach der Ent­las­sung aus den Gefäng­nis­sen, Straf­la­gern und der Ver­ban­nung die UdSSR ver­las­sen und emi­grier­ten ins Aus­land. Die Katho­li­sche Kir­che stell­te 1939 ihre Tätig­keit in der UdSSR ein. 

Die Evan­ge­­lisch-Luthe­­ri­­sche Kir­che in der UdSSR hat in den Jah­ren 1918–1938 317 Kir­chen und 856 Bet­häu­ser ver­lo­ren. Etwa 200 Pas­to­ren wur­den zu Gefän­g­­nis- und Lager­haft ver­ur­teilt, davon kamen 37 ums Leben. Über 100 Pas­to­ren gin­gen ins Aus­land. Die letz­ten Kir­chen wur­den 1939 geschlos­sen. Die Kir­che hör­te auf zu existieren.

Die Bekämp­fung der jüdi­schen, mos­le­mi­schen, bud­dhis­ti­schen und frei­kirch­li­chen Gemein­schaf­ten und Pries­ter ver­lief zeit­gleich und mit ähn­li­chen Folgen. 

Die ev.-luth. Kir­che in Schäfer.
Die ev.-luth. Kir­che in Messer
Die katho­li­sche Kir­che in Kamenka
Die ev.-luth. Kir­che in Odessa