Trudarmee – Zwangsarbeitslager-I

Trudarmee – Zwangsarbeitslager-I

TRUDARMEE (Arbeits­ar­mee; russ. tru­darm­i­ja)
ist ein euphe­mis­ti­scher Ter­mi­nus für ein beson­de­res Sys­tem der Zwangs­ar­beit, das in der Sow­jet­union in den Jah­ren 1941–1946 vor allem für russ­land­deut­sche Jugend­li­che, Män­ner und Frau­en auf­ge­baut wur­de.

Nach der Liqui­da­ti­on der ASSR der Wol­ga­deut­schen und der Ver­ban­nung der deut­schen Min­der­heit in den asia­ti­schen Teil des Lan­des und ihrer weit­ge­hen­den Ent­rech­tung nach dem Erlass des Prä­si­di­ums des Obers­ten Sowjets der Sowjet­uni­on vom 28. August 1941 schuf man für die Deut­schen des Lan­des eine neue Lager­ka­te­go­rie – eine Zwit­ter­kon­struk­ti­on aus rekru­tier­ten Bau­ar­bei­tern und einem Straf­ge­fan­ge­nen, wobei sie in der Lager­sta­tis­tik kei­ne Erwäh­nung fan­den.

 

Merk­ma­le der Zwangs­ar­beits­la­ger:

• Unter­brin­gung in von Sta­chel­draht umge­be­nen Bara­cken;
• Arbeits­ein­satz und Frei­zeit unter mili­tä­ri­scher Bewa­chung;
• Essens- und Ver­pfle­gungs­ra­tio­nen nach den Nor­men des GULag;
• Ver­bot jeg­li­cher nicht gebil­lig­ter Kon­tak­te mit der zivi­len Bevöl­ke­rung.

Die Aus­he­bung durch ört­li­che Kriegs­kom­mis­sa­ria­te des Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums und ihre Unter­stel­lung unter die Kriegs­ge­richts­bar­keit ver­lieh die­ser Kate­go­rie Züge einer mili­tä­ri­schen Rekru­tie­rung: Eigen­mäch­ti­ges Ver­las­sen des zuge­wie­se­nen Ein­satz­or­tes wur­de nicht als Flucht, son­dern als Deser­ti­on bezeich­net und ent­spre­chend geahn­det.

 

Beschluss des Staat­li­chen Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees der UdSSR vom 10. Janu­ar 1942 über die Richt­li­ni­en für den Ein­satz der deut­schen Umsied­ler im wehr­pflich­ti­gen Alter von 17 bis 50 Jah­ren (Aus­zü­ge):

1. Alle deut­schen Män­ner im Alter von 17 bis 50 Jah­ren, die für kör­per­li­che Arbeit taug­lich und in die Gebie­te Nowo­si­birsk, Omsk, die Regio­nen Kras­no­jarsk und Altaj und in die Kasa­chi­sche SSR aus­ge­sie­delt wor­den sind — etwa 120.000 Per­so­nen -, wer­den für Arbeits­ko­lon­nen für die gesam­te Dau­er des Krie­ges mobi­li­siert.

5. Das NKWD der UdSSR wird beauf­tragt, die Sachen in Bezug auf die in den Ein­be­ru­fungs- oder Sam­mel­stel­len zum Abtrans­port nicht erschie­ne­nen Deut­schen sowie in Bezug auf die in Arbeits­ko­lon­nen Befind­li­chen für Dis­zi­plin­ver­let­zung und Arbeits­ver­wei­ge­rung, Nicht­er­schei­nen trotz Mobi­li­sie­rungs­be­fehl und für Deser­ti­on aus den Arbeits­ko­lon­nen im Son­der­kol­le­gi­um des NKWD der UdSSR zu ver­han­deln und in den här­tes­ten Fäl­len die Höchst­stra­fe zu ver­hän­gen.

 

Beschluss des Staat­li­chen Ver­tei­di­gungs­ko­mi­tees der UdSSR vom 14. Febru­ar 1942 über die Mobi­li­sie­rung deut­scher Män­ner im wehr­pflich­ti­gen Alter von 17 bis 50 Jah­ren mit stän­di­gem Wohn­sitz in den Gebie­ten, Regio­nen, auto­no­men und Uni­ons­re­pu­bli­ken (Aus­zug):

1. Alle deut­schen Män­ner im Alter von 17 bis 50 Jah­ren, die für kör­per­li­che Arbeit taug­lich sind und ihren stän­di­gen Wohn­sitz in den Gebie­ten Arch­an­gelsk, Wolog­da, Iwa­no­wo, Molo­tow, Pen­za, Rja­zan, Swerdlowsk, Tam­bow, Tschi­ta, Tsch­ka­low, Jaroslawl, Kirow, Nowo­si­birsk, Omsk,
Kujby­schew und Irkutsk, den Regio­nen
Pri­mor­je, Cha­ba­rowsk, Altaj und Kras­no­jarsk, der Basch­ki­ri­schen und Mord­wi­ni­schen ASSR, der ASSR der Mari, der Tata­ri­schen, Udmur­ti­schen, Tschu­wa­schi­schen und Burjat-Mon­go­li­schen ASSR, der Komi ASSR, der Kasa­chi­schen, Turk­me­ni­schen, Tadschi­ki­schen, Kir­gi­si­schen und Usbe­ki­schen SSR haben, wer­den für Arbeits­ko­lon­nen für die gesam­te Dau­er des
Krie­ges mobi­li­siert und dem NKWD der UdSSR zum Ein­satz beim Bau von Eisen­bah­nen zuge­wie­sen.

Micha­el Dis­ter­heft: In der Arbeits­ar­mee.
Iwdel­lag