Familie Meta Pflugfelder-Baun aus dem Schwarzmeergebiet

Familie Meta Pflugfelder-Baun aus dem Schwarzmeergebiet

1820
Die Vor­fah­ren der Fami­lie Pflug­fel­der-Baun wan­der­ten 1820 mit wei­te­ren 120 Fami­li­en aus Baden-Würt­tem­berg in die Ukrai­ne an das Schwar­ze Meer aus.

1914–1921
Im I. Welt­krieg wur­de der Vater der Ver­fas­se­rin, Karl-Johan­nes Baun (geb. 1885), in die rus­si­sche Armee ein­be­ru­fen und an die rus­sisch-deut­sche Front geschickt. Er kam in deut­sche Gefan­gen­schaft in Döf­fin­gen bei Stutt­gart, wo er vier Jah­re als Tisch­ler­meis­ter bei Emma Bles­sing arbei­te­te. Nach sei­ner Rück­kehr 1919 wüte­te in Russ­land der Bür­ger­krieg.

1924–1936
Dank der „Neu­en Öko­no­mi­schen Poli­tik“ kamen die Bau­ern wie­der zu Wohl­stand. Doch die­se fried­li­che Zeit währ­te nicht lan­ge, weil die von Sta­lin ein­ge­lei­te­te Poli­tik der „Ent­ku­la­ki­sie­rung“ sehr vie­le Bau­ern des Dor­fes traf: Man beschlag­nahm­te ihr gesam­tes Ver­mö­gen und ver­schlepp­te sie nach Sibi­ri­en.
Unter die­sen Ent­eig­ne­ten und Ver­schlepp­ten war auch Adam Pflug­fel­der (geb. 1873), der spä­te­re Schwie­ger­va­ter der Ver­fas­se­rin, mit sei­ner Fami­lie. Die fünf Kin­der muss­ten sich von den Eltern los­sa­gen, damit sie im Dorf bei Verwand­ten und Bekann­ten blei­ben durf­ten.

1937–1940
Ganz beson­ders hart traf es die Bewoh­ner von Lud­wigs­tal im Jahr 1937, als die Jagd auf die so genann­ten Volks­fein­de begann. Als Ers­ter wur­de der Vater der Ver­fas­se­rin, Karl-Johan­nes Baun, am 1. Juli 1937 am hell­lich­ten Tage vom NKWD ver­haf­tet. Er wur­de am 26. Sep­tem­ber 1937 von der Troi­ka ver­ur­teilt und erschos­sen, weil er als Gefan­ge­ner in Deutsch­land gewe­sen war und deut­scher Spi­on hät­te sein kön­nen.

1939
hei­ra­te­te die Ver­fas­se­rin Rein­hold Pflug­felder (geb. 1915), und 1940 kam das ers­te Kind Lil­ly zur Welt.

1941–1944 Der Beginn des deutsch-rus­si­schen Krie­ges brach­te das end­gül­ti­ge Ende des Dor­fes Lud­wigs­tal. Alle Män­ner von 16 bis 60 Jah­ren wur­den in Zwangs­ar­beits­la­ger ver­schleppt; die meis­ten von ihnen kamen dort ums Leben.
Der Ehe­mann der Ver­fas­se­rin, Rein­hold Pflug­fel­der, wur­de am 3. Sep­tem­ber 1941 abtrans­por­tiert. Es gelang ihm aber, zu flie­hen und nach einem mehr­wö­chi­gen Fuß­marsch von Char­kow zurück nach Lud­wigs­tal zu kom­men.

1945–1958
Anfang 1945 wur­de die Fami­lie der Ver­fas­se­rin und mit ihr Tau­sen­de Russ­land­deutsche in Naum­burg (Saa­le) von der sowje­ti­schen Armee über­rollt und nach Russ­land ver­schleppt. Grund: „Ver­rat an der sozia­lis­ti­schen Hei­mat.“ Urteil: 20 Jah­re Straf­la­ger.
Die Ver­fas­se­rin ver­brach­te mit ihren Kin­dern 13 Jah­re im Arbeits­la­ger als Holz­fäl­le­rin im tiefs­ten Wald. Trotz des Ver­bo­tes, deutsch zu spre­chen, ver­such­ten die ver­schlepp­ten Deut­schen an ihrem Volks­tum auch in die­sen unmensch­li­chen Ver­hält­nis­sen fest­zu­hal­ten. 1948 wur­de Erna Baun, die Schwes­ter der Ver­fas­se­rin, vom NKWD wegen Sin­gens deut­scher Volks­lie­der bei der Ar­beit im Wald vom Kriegs­tri­bu­nal als „Vaterlands­verräterin“ zum Tod durch Erschie­ßen ver­ur­teilt. Doch das Urteil wur­de aus „Gna­de und Huma­nität“ in 25 Jah­re Straf­la­ger abge­än­dert. 1955 wur­de sie frei­ge­spro­chen.

1958–1991
Nach Auf­he­bung der Sonder­kommandantur gin­gen die Fami­li­en Pflug­fel­der und Baun 1958 nach West­ka­sach­stan, da es nicht erlaubt war, in die frü­he­re Hei­mat in der Ukrai­ne zurück­zu­keh­ren.

1992–1995
Im Okto­ber 1992 gelang es der Fami­lie Pflug­fel­der-Baun, nach Deutsch­land aus­zu­sie­deln und in den Krei­sen Aurich-Nor­den und Clop­pen­burg in Ost­fries­land ein neu­es Zuhau­se zu fin­den. Erst in Deutsch­land erfuhr die Ver­fas­se­rin, dass ihr Ehe­mann Rein­hold am 2. Janu­ar 1945 in Elsass-Loth­rin­gen gefal­len war und auf einem Ehren­fried­hof im Saar­land die letz­te Ruhe gefun­den hat­te.

Ver­fas­se­rin:
Meta Pflug­fel­der-Baun

Meta Pflugfelder-Baun 1943 in Ludwigstal/Gebiet Saporoschje mit ihren Kindern Lilly und Walter sowie dem Neffen Heinrich Baun.

Familien Baun und Pflugfelder 1944 in Deutschland. Die Großmutter Christine Baun mit ihren drei Töchtern Antonie, Erna und Meta mit Ehemann Reinhold Pflugfelder. Vorne die Kinder Lilli und Harry.

Die Familien Pflugfelder, Baun, Deitche und Humenick 1992 in Batamschinsk vor der Ausreise nach Deutschland.

In der Verbannung in Batamschinsk, Gebiet Aktjubinsk/Kasachstan, beim Bergbau Kimpersai. Zweite von links: Erna Baun.